Freitag, 22. März 2013

Oberfähnrich?

          Es ist für mich immer wieder erstaunlich, worauf Personen verfallen, welche ohne Richterspruch ja nicht als Verbrecher bezeichnet werden dürfen. Gesetzesbrecher ist vielleicht die juristisch-mediengerechte Vorab-Bezeichnung. Es geht - wie in diesem Blog häufig - wieder einmal um Russland. Um eine Gruppierung, welche  vorliegenden Informationen nach vom ehemaligen Oberfähnrich Danieljan gelenkt wurde. Mit welchen Methoden er und seine Helfershelfer die Möglichkeit ausnutzten, das wichtige Wohnungsbauprogramm für Armeeangehörige zu persönlicher Bereicherung auszunutzen, soll hier nicht dargelegt werden.

          Für mich ist verwunderlich, dass die Kontrollmechanismen innerhalb dieses Ministeriums dermaßen unwirksam waren, dass 150 Wohnungen im Gesamtwert von etwa 1 Milliarde Rubel (cirka 25 Millionen Euro) erst an fiktive Berechtigte vergeben, später privatisiert und verkauft werden konnten. 

          Die Wohnungsfrage ist in Russland auch heute noch ein riesiges Problem. Der von Michail Bulgakow zwischen 1929 und 1940 geschriebene Roman "Der Meister und Margarita", welcher offiziell erst 1966 gekürzt veröffentlicht wurde, beruht im Grunde auf diesen sozialen Spannungen. Ich habe beispielsweise als Student eine sogenannte "kommunalka" kennengelernt, in welcher unterschiedlich viele Personen einer Familie in einem Raum (Zimmer) lebten, alle aber nur zwei Großwaschräume (Duschräume) und Großtoiletten mit "offenen Abteilen" benutzen konnten - getrennt nach Weiblein und Männlein. Dazu zwei oder mehr Gemeinschaftsküchen mit mehreren großen Gasherden, in welchen ich der "weiße Rabe" war, wenn ich meiner damaligen Frau und mir etwas Schmackhaftes nach deutschem Rezept zubereitete.

          Wenn es nun die erklärte Absicht des russischen Präsidenten und der russischen Regierung ist, denjenigen bessere Lebensbedingungen zu verschaffen, welche fast täglich bereit sind, ihr Leben einzusetzen für die Sicherheit des Landes - dann ist es besonders beschämend, dass unter den "Vaterlandsverteidigern" und in ihrer Umgebung jene finden, welche dieses Programm sabotieren.

          Dass genannte Gesetzesbrecher meinen, in der Manier einiger Oligarchen in den ersten Jahren des Übergangs Russlands zur Marktwirtschaft sich bereichern zu können, macht weder die einen noch die anderen zu ehrenhaften Persönlichkeiten. Wobei die großen Geschäftsleute wenigstens noch für Arbeitsplätze und deren Entwicklung mit sorgen.

          Allerdings mache ich hier wieder meine Bemerkung: auch in Deutschland und nicht nur dort haben Rechnungshöfe nicht selten Gelegenheit, die nicht zweckgerechte Verwendung von oft nicht unbedeutenden Mitteln festzustellen. 
          Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen...

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger







Sonntag, 17. März 2013

Sonntag der Vergebung

          Mit dem heutigen Sonntag beginnt bei den orthodoxen Christen - vor allem zuhause in den Staaten mit slawischer Bevölkerung, sprich Russland und Ukraine - das vorösterliche "große Fasten". Dieser Sonntag wird auch als der Sonntag der Vergebung bezeichnet. Man sagt zueinander "Vergib mir" und küsst einander dreifach auf die Wangen. Der Patriarch Russlands hat bei seiner heutigen Messe darauf hingewiesen, dass vor allem auch im engen Familienkreise und mit allen Nächsten diese Sitte gepflegt und geübt werden solle - um die Harmonie zu bewahren, welche ab und an auch ohne Absicht gestört wird. 

          Diesen Gedanken hat Johann Wolfgang von Goethe so formuliert:  
          "Mit fremden Menschen nimmt man sich zusammen, da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck in ihrer Gunst, damit sie nützen sollen. Allein mit Freunden lässt man sich gehen. Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt sich eine Laune, ungezähmter wirkt die Leidenschaft, so verletzen wir am ersten die, die wir am zartesten lieben."

          Im größten Frauenkloster der Welt, in Diweewo, sagte eine Holzschnitzerin dem Reporter in diesen Sonntag betreffenden Interwiev sinngemäß: "Wir sind hier im Kloster. Nur hat jede von uns ihre Eigenheiten und Vorstellungen. Die können einander widersprechen, also die Gesprächspartnerinnen verletzen, auch ungewollt. Nach dem "Verzeih mir!" fühlen sich alle Seiten besser."

          Am Ende dieses eindrucksvollen Berichtes haben sowohl der Journalist, welcher die Sendung "Wochenzusammenfassung" moderierte, als auch die Leiter der Fraktionen in der Russischen Duma (Parlament) ihre Landsleute um Vergebung gebeten. Für alle die Unterlassungssünden, die trotz täglicher intensiver Arbeit vorkommen. Fand ich etwas zu aufgesetzt, public relations. Denn wenn ich die gesamte Sendung bewerte: es gibt in Russland noch unheimlich viel zu tun durch alle wahren Patrioten für die Mehrheit der Bevölkerung und gegen eine große Anzahl jener, die ihre Stellung zu persönlicher Bereicherung ausnutzen. Letzteren zu verzeihen - auch nur heute - empfinde ich als unzumutbar.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Freitag, 15. März 2013

Wer sind die Gudkows?

          Vater und Sohn Gudkow sind aus der Partei "Gerechtes Russland" (Sprawedliwaja Rossija) ausgeschlossen worden. Den Grund für das schon vor einiger Zeit erfolgte Verschwinden des Vater aus der Russischen Duma, dem Parlament: er hatte sein einträgliches Unternehmertum nicht aufgegeben. Das Oberste Gericht hat seine Beschwerde zurückgewiesen.
          Den äußeren Anlass für den Ausschluss des Sohnes Dmitrij  aus der Partei kenne ich wohl. Am gestrigen Abend gab es dazu eine Diskussion im russischen Fernsehen. Der intelligente junge Mann wollte seine "Ehre" retten. Das gelang ihm nicht. Es ist mir auch herzlich egal. Wer sich in die Politik begibt, vor allem in deren obere Etagen, sollte die Regeln des Spieles dort besser kennen als ein Spieler der Bundesliga die Fußballregeln.

          Ein amerikanischer Präsident hatte nach seiner Amtszeit einmal im Ausland von einem zudringlichen Reporter die Frage gestellt bekommen, weshalb er daheim die neue Regierung eifrig und mit Sachkenntnis kritisiere, im Ausland ebenso verbissen die Politik dieser Regierung gegen jeden Angriff in Schutz nähme. Seine Antwort hat sich mir eingeprägt - hin und wieder zitiere ich sie, wenn man mich nach deutscher Politik fragt:

          "In den USA bin ich Bürger meines Landes. Im Ausland bleibe ich Bürger meines Landes."

          Dmitrij Gudkow, mit zur Leitungsspitze der außerparlamentarischen Opposition gehörend (Mitglied im Koordinierungsrat der  Opposition), bleibt sein Sitz in der Duma erhalten. Vielleicht ist hier der Zusatz "noch" angebracht. Allerdings hat er offensichtlich obiges Zitat nicht gekannt. Dann gilt: Unkenntnis schützt nicht vor Strafe. Oder er ist ein Risiko bewusst eingegangen. Das wäre das slawische "na awos" - auf  deutsch nicht so einfach "aufs Geratewohl" zu übersetzen. Das französische "laissez faire" ist da wohl etwas genauer. Es hat allerdings nicht so geklappt, wie anscheinend erwartet. Er hat Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Allerdings nicht die wohlwollende, auf die er nach allen Anzeichen wartete.

          Die russischen Verhältnisse sind weit weg von idealen. Die werden auch in Deutschland und den USA  nie erreicht. Weil ideale Ziele. Aber in Russland ist vieles in Bewegung - wenn auch mit Hindernissen. Dazu noch neue außenpolitische Sandkörnchen ins Getriebe zu werfen, ist alles andere als patriotisch. Dima Gudkow könnte lernfähig sein...

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Samstag, 2. März 2013

Wie heißt sie richtig?

          Weil ich gestern noch ein wenig mehr zu Irina wissen wollte, bin ich bestürzt darauf gestoßen, dass selbst das deutschsprachige Internet drei Versionen ihres Familiennamens anbietet: Hakamada, Chakamada, Khakamada. Wie sollte ich mich da für Politkorrektheit entscheiden können? Am besten natürlich in Russisch: Ирина Хакамада. Damit ist der formelle Teil im heutigen Post korrekt.

          Zurück zum Thema "Loyalität" von gestern. Mit ihm ist der Begriff "Verrat" eng verbunden und auch die Besonderheit, dass die meisten Menschen darüber zetern, von loyalen Menschen oder gar von Freunden verraten worden zu sein.
          Wer sollte das denn sonst können? Wen lässt ein jeder denn so weit an sich und seine Gedanken,  Pläne, Vorhaben heran wie Freunde oder Gleichgesinnte? Gegen Feinde sucht man sich zu schützen - durch Geheimdienste, Militär. Wie kann man das gegen Freunde? Wobei in der "großen Politik" die speziellen Dienste ihre Nasen auch in die Dokumente der erklärten Freunde stecken. Für alle Fälle.

          Das Thema ist mit dem gestrigen für mich dadurch verbunden, dass Irina Mutsuovna mit ihrer Verurteilung der Zusammenarbeit mit loyalen Personen folgerichtig erwartet, dass ihre politischen Opponenten illoyale Persönlichkeiten zu gemeinsamer Tätigkeit einladen. Warum nicht gleich Gegner, Feinde?

          Ирина Хакамада bleibt für mich eine engagierte russische Patriotin mit ihren eigenen Ansichten zur gesamten politischen Bewegung. Allerdings würde ich mir wünschen, dass sie auch in der von mir kritisierten Wortwahl eine für sie günstige Korrektur vornimmt.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





         

Hakamada

          Wer sich in den letzten Jahren auch nur ein wenig mit russischer Politik und Politikern beschäftigt, kommt um den Familiennamen Hakamada nicht herum. Die Frau, um die es hier geht, ist Irina Hakamada, ein Teil deren Vorfahren aus Japan kamen. 
          Diese hoch intelligente, im Rahmen ihres Typs auch hübsche Frau ist mir in den letzten Jahren durch ihre eigene und oft auch eigenartige Meinung bei Foren und in Diskussionen mit Politikern sowie Journalisten nicht selten angenehm aufgefallen.
          Gestern hat mir Irina Mutsuovna während einer Talkshow nicht überzeugend bewiesen, dass sie mit Begriffen zweckmäßig umgeht. 

          Natürlich ist der von ihr gestern überstrapazierte Begriff "Loyalität" als solches nicht anzutasten. Allerdings muss der Kontext dazu passen. Denn "Loyalität" bezeichnet auf gemeinsamen moralischen Grundsätzen beruhende innere Verbundenheit und deren Ausdruck gegenüber Personen, Gruppen und Gemeinschaften. Sie bedeutet, im Interesse eines gemeinsamen höheren Zieles die Werte des Anderen zu teilen und zu vertreten.

          Für mich sind Geheimrat Goethe in Deutschland und Michail Lomonossow im zaristischen Russland wahre loyale Persönlichkeiten. Kritisierten entsprechend den erkannten Werten, änderten nach Kräften und Möglichkeiten. Aber Goethe schrieb auch:


"Immer strebe zum Ganzen. 
Und kannst selber kein Ganzes du werden,
als dienendes Glied
schließ` an ein Ganzes dich an."

Für mich ein Hohelied von Anpassung und Loyalität!

          Wenn Irina Mutsuovna die leider in Russland nicht seltenen Mängel im politischen Umfeld sowie Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch als Folgen der dem herrschenden System entgegen gebrachten Loyalität sieht, ist das für mich im Sinne des Begriffs irreführend. 
          Wenn gegen hohe Ministerialbeamte, ehemalige Minister und Abgeordnete der Duma Untersuchungen geführt und Sanktionen verhängt werden müssen - dann sind das doch Reaktionen auf gröbste Illoyalität! Vorgetäuscht wurde die Übereinstimmung mit Werten, um in gewünschte Positionen zu gelangen - anschließend wurden die materiellen Werte in die eigenen Taschen gewirtschaftet... 
          Leid tun mir jene Entscheidungsträger, welche in Hoffnung auf wahre Loyalität diese und jenen aus ihren Kreisen auf verantwortliche Positionen befördert haben. 

          Diese Erscheinungen gibt es nicht nur in Russland. Die Lauterkeit von Amtsträgern in aller Welt ist doch nicht selten ein gerichtlich zu untersuchendes Faktum. Die beste Antwort darauf - sprachlich und sachlich - gab G. E. Lessing  in einem Jugendgedicht:


          Ein Hurenhaus geriet in Brand.
Da sprangen, um zu helfen und zu retten
ein Dutzend Mönche von den Betten. 
Wo waren die?
Sie waren - bei der Hand.
Ein Hurenhaus geriet in Brand.

          Heinrich Heine formulierte ähnlich:

"Ich kenne die Weise,
ich kenne den Text, 
ich kenne die Herren Verfasser.
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
und predigten öffentlich Wasser."

          Sollte  Irina Mutsuovna von jemandem auf diesen Kommentar aufmerksam gemacht werden, wäre das im Sinne des Besprochenen ein Zeichen von Loyalität. Ihr gegenüber.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger







Montag, 25. Februar 2013

Feiertag

          In Vorbereitung dieses Tages gab es im russischen Fernsehen eine Sendung, in welcher hochgestellte Persönlichkeiten aus der Militärpolitik (Duma-Abgeordnete) und der militärischen Wissenschaft (Chef der höchsten militärischen Bildungseinrichtung) Fragen von prinzipieller Wichtigkeit besprachen. Ausgegangen sind sie von der "Stunde der Regierung" in der russischen Duma, während der ein aufstrebender Politiker - das ist Dr. Dmitrij Rogosin für mich - mit einer halben Stunde Verlängerung die Fragen der Abgeordneten beantwortete. Die Inhalte sind für mich klar: Alles, was über die Bestellung, Entwicklung und Produktion im so genannten Militär-Industrie-Komplex mit der militärischen Sicherheit Russlands verbunden ist.

          Erstmalig hörte ich davon, dass Russland noch nie eine Verteidigungsdoktrin hatte. Erst etwa zeitgleich mit den großen Artikeln Wladimir Putins zu seinem und seiner Partei Wahlprogramm haben sich die militärischen Experten daran gemacht, diese Doktrin auszuarbeiten. Der General in der Fernsehsendung formulierte das in etwa so: "Es gab mit dem Zerfall des Ostblocks und dem Verschwinden vieler Elemente der Konfrontation Stimmen, die gesamte Militärpolitik und das Militär, vor allem die strategischen Komponenten abzuschaffen. Aber wir haben uns wieder konsolidiert und erarbeitet, dass die russische Armee nicht nur Aufgaben der Terroristenbekämpfung zu lösen haben wird."

          Die vielen Meinungen in unterschiedlichen Medien haben für mich unerwartete Ergebnisse. Wenn nicht  durch kluge und auch nachgiebige Bündnispolitik mit sehr einschneidenden Zugeständnissen Lösungen gefunden werden, wird die Verteidigung auch gegen einen personell extrem starken ehemaligen Bündnispartner auf die Tagesordnung kommen...

          Die vielen Komponenten russischer militärischer Macht habe ich in etwa erfasst. Sowohl die Lenker der Staats- und Militärmaschinerie Russlands als auch ihre Untergebenen haben es nicht einfach. Auch die Vorgänge im ehemalig anders geführten Verteidigungsministerium, welche nach den allerneuesten Schätzungen finanzielle Verluste von über 13 Milliarden Rubel (etwa 325 Millionen Euro) verursacht haben, sind weder leicht zu verwinden noch moralisch aufbauend. Es ist aber nicht nur in Russland so, dass Beamte (und beamtete Militärs) sich vom Rüstungskuchen etwas abschneiden...

          Die Persönlichkeiten, welche heute Uniform tragen und ihren Feiertag, den 23. Februar als "Tag der Verteidiger des Vaterlandes" eben erst begangen haben, stehen vor großen Herausforderungen. Ihnen wünsche ich Erfolg und Gesundheit!

Bleiben auch Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger










Montag, 18. Februar 2013

Drei Brücken...

          Gestern nachmittag ging ich seit langem wieder an den Fluss Ros. War vorher eine Woche unterwegs in der Ukraine und davor davon abgekommen, zum Fluss zu gehen. Weil die Holzbrücke eingebrochen war, ein Überschreiten zum Spazieren gehen in freier Natur unmöglich. Nun berichtete mein Stiefsohn, es würde repariert. Als ich an der schon wieder begehbaren Brücke angekommen war, bedauerte mich ein mir bekannter Angler, der dort stand. Ich sei eine halbe Stunde zu spät gekommen. Anlässlich der sichtbaren Fertigstellung am heutigen Sonntag habe der Mäzenat - oder Sponsor - Alexander Poljarush ein Mittagessen für die Zimmerleute und alle "Vorübergehenden gegeben. Er zwinkerte mir zu und ergänzte, dass es da auch etwas Wodka zu Zutrinken gegeben hätte. Ob ich nicht bedauere, das versäumt zu haben - die Gartentische seien eben erst weggeräumt worden. 
          Dass ich diese Art von "Freibier" verpasst habe, sei nicht schlimm. Für mich ist gut, dass der mir unbekannte Alexander Poljarush den Übergang finanziert hat. Denn darum, ob die im Budget der Stadt Belaja Zerkov nicht geplante Reparatur nun jahrelang auf sich warten lassen würde, hatten die Massenmedien schon spekuliert. Der Sponsor hatte formuliert: "Eine Brücke für die Menschen!" und sein Scheckheft gezogen. Eine großzügige Geste. Selbst wenn niemand so recht weiß, woher die Moneten zusammen kamen...

          In einer russischen Kleinstadt gab es ein ähnliches Problem. Etwas ausgeprägter. Weil da nicht nur Spaziergänger und die bescheidenen Anbieter des nahen Basars ohne eigenes Auto über die Brücke mussten wie hier, sondern das Städtchen von seiner Versorgung abgeschnitten war. Die Lagerhäuser der Geschäftsleute im Städtchen Warja (Gebiet Kostroma) liegen auf dem anderen Flussufer, weg von den Läden. Die Umgehungsstraße verlängerte den Weg nur um 1,2 km - war aber im Winter oder bei starken Niederschlägen unbefahrbar. Ein altbekanntes Problem Russlands.
          Da taten sich die Geschäftsleute zusammen. Denn Stadtväter- und -mütter hatten nur leere Kassen und einen Projektvorschlag über 13,5 Millionen Rubel (rund 3,4 Millionen €) auf dem Tisch. Die Geschäftsleute beauftragten einen fähigen Bauleiter, gaben das Geld für die Stahlträger und alles andere - restaurierten die Brücke nach allen Regeln der Brückenbaukunst und zählten die Ausgaben zusammen. Da waren nur eine halbe Million Rubel aufgewendet worden! Die Brücke 27 Mal preiswerter als von "Spezialisten" veranschlagt! Das nenne ich grandios!

          Wahrhaft grandios ist die "Golden Brücke" über das "Goldene Horn" im fernen Wladiwostok. Schauen Sie doch einmal ins Internet. Die gesamt 2100 m lange Hängebrücke ist eine der fünf größten ihrer Art in der Welt und überspannt 737 m Meeresoberfläche. Für mich als Ingenieur eine technische und auch technologische Meisterleistung. 
          Erstmals noch unter Chrustschow in den Entwicklungsplan der Stadt aufgenommen - rund 40 Jahre später vollendet. Bei ihrem Bau wurde nicht nur verdient, sondern grandios geklaut. Darüber hatte Dmitrij Medwedjew noch anlässlich einer Kontrollfahrt vor der Einweihung bitter gescherzt.

          Drei Brücken - zwei Erfahrungen. Dort, wo sich die am Effekt interessierten Personen  damit beschäftigen, bekommt man rasche und sogar überraschende Resultate. Dort, wo Bürokraten sich "reinhängen", gibt es zeitliche Verschleppungen, Korruption und Kostenexplosion. Das bei weitem nicht nur in Russland oder der Ukraine. Sage nur Großflughafen Berlin-Brandenburg...

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger